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Was wir von der Kunstszene über mutiges Business und Sichtbarkeit lernen können

Ein Rundgang über die Kunstansichten Offenbach 2026

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie viele kreative Köpfe und unentdeckte Welten sich hinter den ganz normalen Hausfassaden unserer Stadt verstecken? Am Wochenende war es in Offenbach wieder so weit: Die Kunstansichten standen an. Für mich hieß das: Kamera eingepackt, ab aufs Fahrrad und rein in die Ateliers.

Ich bin an diesem Tag mit einem ganz klaren Mindset losgezogen: Optimismus, Netzwerken und Mut.

Was als inspirierender Rundgang geplant war, wurde für mich zu einer echten Masterclass in Sachen Business, Sichtbarkeit und der Frage, wie wir im Kopf Barrieren einreißen. Denn die Parallelen zwischen Kunst und gutem Kommunikationsdesign sind gigantisch.

Hier sind meine drei Learnings vom Wochenende, direkt aus den Ateliers :

1. Das „Lost-in-the-Gallery“-Problem: Warum wir ohne Botschaft unsichtbar bleiben

In einer Videoinstallation sah ich eine projizierte Höhenkarte, auf die im Video Tomaten flogen. Keine Erklärung, kein Titel. Als Designerin ratterte mein Kopf sofort: Blut? Krieg? Oder ein politischer Protest? Ich habe die Künstlerin direkt gefragt. Ihre Antwort: Sie wollte bewusst keine Bedeutung vorgeben. 

Die Design-Brücke: 

Was ist in der Kunst ein legitimes Stilmittel sein kann, ist im Business Kontext fatal. Wer durch Galerien läuft (oder durch Websites scrollt) und nicht versteht, was uns das Ganze sagen soll, ist schnell „lost“ und geht weiter. 

Deine Kunst darf Rätsel aufgeben. Deine Website, dein Logo und deine Marke nicht. Gutes Kommunikationsdesign ist die Brücke, die dafür sorgt, dass deine Botschaft den Betrachter mitten ins Herz trifft, statt an ihm vorbeizufliegen. 

Ich habe an diesem Tag viele weitere Künstler:innen und Galerist:innen getroffen, die mir einen tiefen Einblick in ihr Denken und Handeln gegeben haben. Sie haben mir so die Möglichkeit geschenkt, mich weiter zu öffnen, die Kunst mit völlig neuen Augen zu sehen und überhaupt erst zu begreifen. 

2. Raum einnehmen und groß denken (Die 6 m²-Leinwand)

Ein großes Bild von Jonas Burgert in der Galerie Kaminski

In der beeindruckenden Sammlung Kaminski wurde mir die Geschichte des Malers Jonas Burgert erzählt. Er arbeitete jahrelang unter sehr einfachen Bedingungen, bis ein Kurator sein Talent entdeckte und ihm eine riesige Chance bot: eine große Ausstellung – unter der Bedingung, dass er die Wände füllt. Burgert fackelte nicht lange. Er packte die riesigen Leinwände aus, dachte groß, nutzte die Fläche und feiert bis Heute mit seinen monumentalen Ölgemälden den internationalen Durchbruch. 

Ein paar Straßen weiter besuchten wir ein klitzekleies Atelier mit drei Künstler:innen. Es gehörte Pelusa Petzel. Dort hatte sie auch einige kleinformatige aktuelle Arbeiten ausgestellt. Und ich war sehr überrascht als sie uns auch Kataloge zeigte mit Arbeiten aus ihrer Vergangenheit, da waren so große Raumgreifende Arbeiten dabei, Bilder von raumhohen Papierinstallationen in alten Fabriken.  Das ich sie Fragen musste: Wie finanziert man solche Arbeiten und wie findet man solche Flächen? Ihre Antwort war pures Gold: „Man fragt beim Denkmalschutz, bei der Stadt oder direkt bei der Industrie nach Leerstand – viele sind bereit Künstler:innen solche Flächen temporär zur verfügung zu stellen.“

Die Design-Brücke: 

Oft limitieren wir uns in unseren Projekten selbst, weil wir das „Wie“ noch nicht gelöst haben. Wir fragen uns gar nicht erst nach der 6 m²-Leinwand für unser Business. Diese Begegnungen haben mir gezeigt: Wir müssen zuerst die Möglichkeit im Kopf öffnen. Die Räume und Ressourcen ergeben sich, wenn die Vision stark genug ist.

3. Mut zur Lücke und die Magie des unperfekten Contents

Eins meiner Highlights passierte in einem kleinen Atelier, in dem zwei Frauen ein neues Workshop-Format für Gelli-Prints und Stickerei präsentierten. Als ich nach ihrer Website oder Instagram fragte, hieß es kleinlaut: „Da sind wir noch nicht so weit.“ Anstatt nur Ratschläge zu geben, habe ich spontan gesagt „lass uns ne Story für Insta machen“ ich hab das Licht getestet, das Smartphone gezückt und direkt vor Ort ein unperfektes, aber unglaublich sympathisches 30-Sekunden-Video aufgenommen. Das Ergebnis? Die Hemmschwelle war gebrochen. Aus einer vagen Idee im Kopf wurde plötzlich Realität.

Und ich wurde direkt für den nächsten Tag zum Workshop testen eingeladen! Da hab ich die Chance natürlcih auch genutzt und einReel aufgenommen. So wurde zacke aus einer Idee  innerhalb von 24 Stunden sichtbarer Content.

Die Design-Brücke: Seit Anfang des Jahres nehme ich selbst regelmäßig Videos auf – unperfekt, authentisch, manchmal einfach wartend am Bahnsteig. Und wisst ihr was? Genau das macht uns menschlich und greifbar. Auf Netzwerk-Treffen haben die Menschen einen „Anknüpfungspunkt“, an den sie im Gespräch anknüpfen können. Sichtbarkeit muss nicht glattpoliert sein, sie muss echt sein.

Fazit: Es gibt viele geniale Ideen da draußen!

Doch oft fehlt der mutige Schritt in die echte Sichtbarkeit. Ob Kunstprojekt, kreativer Workshop oder dein eigenes Business: Wenn du nicht zeigst, was du tust, bleibst du unsichtbar.